
© Alessandro Wenger
Von Wut bis Freude
Wenn Feier, Sichtbarkeit und Freiheit plötzlich nicht mehr selbstverständlich wirken, wird klar: Pride bleibt politisch. Unser erster Beitrag führt nach Berlin – zu einem CSD, der mit Musik, Begegnungen und dem Wunsch nach einer offenen Gesellschaft begann und durch ein schreckliches Attentat überschattet wurde. Er erinnert uns daran, weshalb wir weiter für Würde, Sicherheit und gleiche Rechte einstehen müssen.
Auch der Mut einzelner Menschen kann vieles bewegen: Der Beachvolleyball-Profi Leo Dillier aus Möhlin hat sich öffentlich geoutet und zeigt, dass Leistung, Erfolg und queere Identität selbstverständlich zusammengehören.
Zudem laden wir euch zu gemeinsamen Momenten im Herbst ein – zum Austausch, Tanzen, Wandern und queeren Kino.
Das ist der August 2026 Newsletter eurer habs queer basel.

© Alessandro Wenger
Wenn die Farben verblassen
von Alessandro Wenger
Die Sonne spiegelt sich in den Sonnenbrillen der anderen, eine warme Brise weht durch die Haare, und die Musik im Hintergrund scheint die perfekte Begleitung zu sein. Menschen tanzen miteinander, sprechen die süsse Person nebenan an und trinken mit neu gewonnenen Freund*innen ein oder zwei Getränke.
Man ist offen füreinander, begrüsst einander und freut sich über jede Begegnung. Wegen der vielen Menschen ist der Mobilfunk überlastet, eine Nachricht zu versenden kaum möglich. Und plötzlich steht ein bekanntes Gesicht aus Basel vor einem. Ein Lachen, eine Umarmung – und der Gedanke: Ist die Welt wirklich so klein?
Nach einigen Minuten kommt eine WhatsApp: «Kommst du auch zu uns?» Man trifft sich, geniesst die gemeinsame Zeit auf der Strasse des 17. Juni, tanzt und schaut auf die vielen Menschen um sich herum.
Der Tenor ist klar: Wir wollen die LGBTQIA+ Community stärken. Unabhängig von Herkunft, Ethnie oder sexueller Orientierung. Wir wollen gemeinsam gegen den Rechtsrutsch kämpfen. Wir wollen, dass Deutschland, die Schweiz und Europa die Augen für die wirklichen Probleme öffnen – statt schwächere Menschen zu Schuldigen zu machen.
Diese Mechanismen kennt unsere Community. Es sind Mechanismen der Stigmatisierung und der Ausgrenzung. In den 1980er-Jahren wurde der LGBTQIA+ Community während der Aids-Krise medial und politisch Schuld zugeschrieben. Wir wurden nicht als Menschen gesehen, die Unterstützung, Schutz und Würde verdienen sollten. Wir wurden zu einem Problem erklärt.
Die Haltung in Berlin war klar: Zeig deine Meinung. Wähle die Politik weise, auch für uns. Denn Haltung ist hot. Mit diesem Motto wollte der Berliner CSD nicht nur die Community ansprechen, sondern die gesamte Bevölkerung: Menschen sollen Position beziehen, Verantwortung übernehmen und sich für eine offene, vielfältige und diskriminierungsfreie Gesellschaft einsetzen.
Man konnte die geforderte Haltung fühlen. Sie war auf der Strasse sichtbar, in Gesprächen spürbar, in Blicken, Umarmungen und Parolen. Und sie sollte auch für uns in Basel-Stadt, Basel-Landschaft und der ganzen Schweiz ein Zeichen sein: Haltung darf nicht nur ein Wort bleiben. Sie muss sichtbar werden.
Es war ein Christopher Street Day, der kaum schöner hätte sein können.
Dann die Durchsage:
«Bitte verlassen Sie ruhig und geordnet die Strasse des 17. Juni. Der Anlass ist beendet.»
Die Musik verstummte. Menschen sahen sich fragend an. Was nun? Einige tanzten weiter, zu Musik, die noch aus der Ferne zu hören war. Jemand erreichte Instagram und sagte, der Anlass sei beendet.
Bis zu diesem Zeitpunkt wussten viele von nichts. Dieses gefährliche Nichtwissen. Ein Nichtwissen, das sich später, wie ein dunkler Schatten über den Abend legen sollte.
Man bewegte sich mit der Menge. Dann kam der Gedanke: «Ich gehe durch den Tiergarten. Das Hotel liegt auf der anderen Seite, das geht schneller.»
Ein zunächst einfacher, bedachter Gedanke. Doch war er das wirklich?
Inmitten des Tiergartens begegnete man der Polizei. Erst hörte man ein lautes aufforderndes: «Bleiben Sie stehen!» Dann bemerkte man Menschen, die im Dunkeln auf dem Boden lagen. Nicht freiwillig. Nicht, weil sie sich ausruhten. Man stand da, fragte sich, was geschehen war, wollte helfen – und wusste doch nicht, wie.
Fünf Minuten. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten. Eine Zeit, in der man nur erahnen konnte, was passiert war.
Dann die Anweisung: «Laufen Sie. So schnell wie möglich. Bleiben Sie nicht stehen.»
Man lief. Und erst in diesem Moment wurde klar: Etwas Schlimmes ist geschehen. Man versuchte, die Menschen auf dem Weg zu überzeugen, den Park zu verlassen – ohne selbst zu wissen, weshalb. Man wusste nur: Lauf. Bleib nicht stehen.
Als sich das Mobilfunknetz stabilisierte, kamen die ersten Nachrichten: «Anschlag beim CSD in Berlin», «Tote und Verletzte», «Täter auf der Flucht». Die Meldungen waren widersprüchlich, die Angst war es nicht.
Jemand hatte Menschen angegriffen, die an einer Demonstration für Würde, Freiheit und gleiche Rechte teilnahmen. Menschen aus unserer globalen Community. Menschen, die feiern, sichtbar sein und für ihre Rechte eintreten wollten. Damit wurde nicht nur ein CSD angegriffen. Es wurde ein Angriff auf Menschen und auf die Demokratie.
Die Tat traf eine 65-jährige polnische Frau tödlich. Sie war mit ihrer Tochter nach Berlin gereist, um den CSD zu besuchen. Eine Tochter verlor ihre Mutter. Eine Familie verlor einen geliebten Menschen. Und unsere Community verlor eine Person, die mit anderen für Sichtbarkeit und Rechte auf die Strasse gegangen war.
Wir sollten uns fragen: Wiegen wir uns in beider Basel und vor allem der Schweiz in politisch neutralistisch gedachter Sicherheit? Wird uns dies nicht auch erwarten?
Schlussendlich ist die Wut in der Community gross. Das Unverständnis ist vielen ins Gesicht geschrieben. Der Wunsch, weiterzukämpfen, darf nicht erlöschen.
Bis jede und jeder von uns – lesbisch, schwul, bi, trans, intergeschlechtlich, asexuell, aromantisch, queer oder mit einer anderen Identität – die gleichen Rechte hat. Wir kämpfen nun desto mehr: Bis wir ein Leben führen können, in dem wir nicht diskriminiert, bedroht oder angegriffen werden.
Wir sind eine Community.
Wir stehen für unsere Rechte ein.
WIR GEBEN NICHT AUF!
Quellen:
- Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/214863/aids-geschichte-als-gefuehlsgeschichte/ - Berliner CSD
https://csd-berlin.de/aktuelles/haltung-ist-hot-der-csd-berlin-e-v-eroeffnet-den-5-pride-month - Deutschlandfunk
https://www.deutschlandfunk.de/ein-toter-und-mehrere-verletzte-beim-csd-in-berlin-fahrzeug-soll-in-die-menschenmenge-gefahren-sein-100.html - ZDFheute
https://www.zdfheute.de/panorama/csd-berlin-abschlusskundgebung-evakuierung-100.html - DER SPIEGEL
https://www.spiegel.de/ausland/anschlag-auf-csd-in-berlin-warschauer-staatsanwaltschaft-nimmt-ermittlungen-auf-a-7905b3e7-615c-460f-8640-c4b5ac4175

© Pexels / Del Adams
EIn Vorbild
von Alessandro Wenger
Was erwarten wir eigentlich von einem Sportler oder einer Sportlerin? Gute Leistungen, Disziplin, Erfolg – vielleicht auch Geld, Medaillen und eine makellose öffentliche Erscheinung. Oft scheint das gesellschaftliche Bild eines Vorbilds erstaunlich eng zu sein: Leistungsstark, angepasst, erfolgreich und selbstverständlich heterosexuell.
Doch passt dieses Bild noch in unsere Zeit?
Muss ein Profisportler besonders hart, besonders „männlich“ oder besonders angepasst auftreten? Muss eine Profisportlerin oder ein Profisportler ein bestimmtes Familienbild erfüllen? Muss Liebe immer zwischen Frau und Mann stattfinden, damit sie als selbstverständlich gilt?
Gerade im Spitzensport haben sich bisher nur wenige Menschen während ihrer aktiven Karriere getraut, offen über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen. Besonders in der Schweiz gibt es noch immer nur wenige offen queere Profisportler*innen. Dabei brauchen junge Menschen Vorbilder – nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Leben.
Ein Schweizer Olympia-Hoffnungsträger aus unserer Region hat nun gezeigt, dass es anders gehen kann. Leo Dillier aus Möhlin im Kanton Aargau erklärte am 14. August 2026 in einem Instagram-Video öffentlich, dass er schwul ist. Der 25-jährige Beachvolleyball-Profi sprach damit nicht nur zu seinen Follower*innen und Sportbegeisterten, sondern zu einer ganzen Schweiz.
«Hoi zäme, ich bin de Leo, bi Beachvolleyball-Profi und will mich hüt oute.»
So beginnen seine persönlichen Worte. Er erzählt von einem langen Weg zur Selbstakzeptanz und davon, dass er sich als Jugendlicher ein sichtbares Vorbild im Spitzensport gewünscht hätte. Genau dieses Vorbild möchte er nun selbst sein.
Und trotzdem bleiben Fragen: Warum muss ein Profisportler seine Liebe öffentlich erklären? Warum braucht es überhaupt ein Coming-out? Weshalb reicht es noch immer nicht, einfach so zu leben und zu lieben, wie man ist?
Die Reaktionen auf Dilliers Video waren überwiegend unterstützend. Doch dass das öffentliche Coming-out eines Sportlers weiterhin als besonderes Ereignis wahrgenommen wird, zeigt auch: Selbstverständlichkeit ist noch nicht erreicht. Auch der Umstand, dass 20 Minuten die Kommentarspalte zu seinem Beitrag schloss, weil bei vergleichbaren Themen wiederholt Hasskommentare und Beleidigungen auftreten, macht deutlich, dass Sichtbarkeit für queere Menschen noch immer mit Risiken verbunden sein kann.
Hinter einem öffentlichen Coming-out steht oft mehr, als in wenigen Minuten eines Videos sichtbar wird. Da sind Jahre des Nachdenkens, der Unsicherheit und der Frage, wie das Umfeld, Teamkolleginnen, Trainerinnen, Sponsoren oder Fans reagieren könnten. Für manche Menschen kann dieser Schritt sehr befreiend sein. Für andere bleibt er vorerst zu gefährlich oder zu belastend. Beides verdient Respekt.
Leo Dillier hat sich entschieden, sichtbar zu sein. Nicht, weil ein Sportler der Öffentlichkeit seine persönliche Geschichte schuldet, sondern weil er anderen Mut machen möchte. Damit setzt er ein Zeichen: Auch im Spitzensport gibt es Platz für queere Menschen – auf dem Sand, im Team, auf der Tribüne und in der Öffentlichkeit.
Als habs queer basel sind wir stolz auf Leo Dillier.
Nicht nur auf seine sportlichen Leistungen, sondern auf seinen Mut und seine Offenheit. Er ist ein Vorbild – nicht weil er einem alten Bild von Erfolg entspricht, sondern weil er zeigt, dass Erfolg und Authentizität zusammengehören können.
Quellen:
- Blick:
https://www.blick.ch/sport/beachvolley/das-vorbild-das-ich-selbst-gebraucht-haette-schweizer-beachvolley-profi-leo-dillier-mit-coming-out-id22182595.html - 20 Minuten:
https://www.20min.ch/story/leo-dillier-anderen-mut-machen-schweizer-beachvolleyballer-mit-coming-out-103617412 - Leo Dillier auf Instagram:
https://www.instagram.com/reel/DcAnQABKiCg/ - Plattform J:
https://www.plattformj.ch/artikel/245829/
Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI sprachlich, jedoch nicht inhaltlich, überarbeitet.

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Gemeinsam in den Herbst
Meeting Point im September
Sonne, Gespräche, etwas zu trinken – die ZischBar lädt ein, einen Abend lang runterzufahren, ins Gespräch zu kommen und neue Menschen kennenzulernen. Ob du schon lange Teil der Community bist oder einfach einmal reinschnuppern möchtest: Die ZischBar ist ein offener Raum für Austausch, Fragen, Ideen und unkomplizierte Begegnungen.
Der monatliche Meeting Point von habs queer basel bietet dir die Möglichkeit, auch allein vorbeizukommen – und den Abend mit alten oder neuen Freund*innen zu verbringen. Gemeinsam reden, lachen und das Zusammensein geniessen: genau dafür ist Platz.
Datum: 8. Sptember 2026
Ort: KaBAR, Klybeckstrasse 1b, 4058 Basel
Weitere Informationen: Meeting Point
Be thirsty, Be proud, on Thursdays
Basel hat einen neuen queeren Treffpunkt: Einmal im Monat lädt die ThursGay’s Party in die INE Bar ein. Gemeinsam anstossen, neue Menschen kennenlernen und den Donnerstagabend in guter Gesellschaft ausklingen lassen – sei bei der nächsten Ausgabe dabei.
Datum: 24. September 2026 / ab 19:00 Uhr
Ort: INE Bar, Rheingasse 3, 4058 Basel
Day Rave Delight
Kräftig zu den Beats tanzen und trotzdem zu einer vernünftigen Zeit im Bett sein? Genau das bietet Day Rave Delight im Parterre One. Pop zum Start, House für den Übergang und Melodic Techno zum Abschluss – für alle, die gerne tanzen, aber nicht zwingend bis in die frühen Morgenstunden bleiben möchten.
Datum: 26. September 2026 / 16:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Ort: Parterre One, Klybeckstrasse 1b, 4058 Basel
Tickets: Hier
Wir suchen dich!
Die Wanderungen von habs queer basel sind stets ein sportliches Highlight. Ob gemütlicher Wanderweg, Aussichtspunkt oder eine etwas anspruchsvollere Schlucht: Gemeinsam unterwegs zu sein, macht jede Route besonders.
Für die Herbstwanderung 2026 suchen wir Freiwillige, die Lust haben, bei der Organisation mitzuhelfen. Du musst nicht alles allein planen – wichtig sind Freude an Bewegung, ein bisschen Zeit und die Bereitschaft, gemeinsam einen schönen Tag für die Community zu gestalten.
Wir freuen uns auf dich! events@habs.ch
Das Lust*streifen Film Festival feiert seine 19. Ausgabe
2008, also vor 18 Jahren begann die Geschichte eines unabhängigen Festivals für LGBTQIA+, Feminismus, Gender und Körperpolitiken als Gruppe der habs queer basel.
Unter der Frage: «Was ist queeres Kino?» wurden die Anfänge gefeiert. Heute ist Lust*streifen ein eigenständiges Festival und wichtiger Ort für queere Perspektiven auf der Leinwand. Wir freuen uns über diese Entwicklung – und auf viele weitere Jahre queeren Kinos in Basel.
Jetzt schon im Kalender vormerken:
Datum: 8. Oktober 2026 bis 11. Oktober 2026
Weitere Informationen: Lust*streifen Film Festival Basel
LilaQueer
2017 fassten mutige Aktivist*innen der Milchjugend den Entschluss, ein eigenes Festival zu organisieren. Daraus entstand LilaQueer: ein Festival von und für junge queere Menschen, das Raum für Kultur, Diskussionen, Begegnungen und Sichtbarkeit schafft.
Auch international setzten die Organisatorinnen Akzente – etwa durch ihre Zusammenarbeit mit dem Prishtina Queer Festival. Nun steht das zehnjährige Jubiläum an. Ein Happening, das auch für Basler*innen eine Reise nach Zürich wert sein könnte.
Datum: 10. September 2026 bis 12. September 2026
Ort: Rote Fabrik, Seestrasse 395, 8038 Zürich
Weitere Informationen: lila. queer festival
Dumbo Queer Techno
Basel bekommt frischen queeren Techno-Nachwuchs: Dumbo Queer Techno ist ein neues kleines Projekt – mit habs-Mitgliedern – das die Basler Clubszene mit Energie, Beats und viel guter Laune bereichern will.
Im Mittelpunkt steht nicht nur die Musik, sondern auch die Community: Sie soll nicht bloss Publikum sein, sondern als „Resident Guest“ Teil des Abends werden. Ein Raum zum Tanzen, Begegnen, Sichtbarsein und gemeinsamen Feiern.
Datum: 13. November 2026
Ort: Sommercasino, Münchensteinerstrasse 1, 4052 Basel
Weitere Informationen: Folgen
Reminder
Endspurt beim Schweizer LGBTIQ+ Panel! Mit deiner Teilnahme hilfst du, die Lebensrealitäten von LGBTIQ+ Personen in der Schweiz sichtbarer zu machen!
Jetzt auf DE/EN/FR/IT teilnehmen und teilen:
Mit der steigenden Beliebtheit unserer Gesprächsgruppen und den vielfältigen Themen, die in der Community gemeinsam besprochen und ausgetauscht werden, haben Vorstand und Gruppenleitende einen neuen Verhaltenskodex erarbeitet. Dieser ist ab sofort auf unserer Homepage zu finden.

Verantwortlich für den Newsletter: Alessandro Wenger
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